Unsere Osteuropa-Reise
Vater hatte wieder eine Reise mit mir geplant - eine Busfahrt durch Polen und die UdSSR, im Mai 1985.
Am 15. Mai fuhr ich mit der Bahn nach Neustadt/Holstein. Vater empfing mich mit gebratenen Heringen, frisch aus der Pfanne und zünftigen Lübschen Bieren.
Am 16. Mai, Himmelfahrt, stiegen wir früh morgens in den Möller-Reisebus - der Chef fuhr persönlich. Die Reisegruppe setzte sich zur Hälfte aus alten Knaben zusammen, die nahezu alle Kriegsteilnehmer an der Ostfront waren.
A 1, vorbei an Lübeck, A 24, zur DDR-Grenze, kurze Kontrolle und weiter ging's auf der Transit-Autobahn nach Berlin, östlich d'rum herum und weiter nach Frankfurt/Oder. Hier verließen wir die Autobahn und stoppten gegen 11:30 Uhr, am Grenzübergang nach Polen, direkt vor der Oderbrücke.
Ein nach uns in den Grenzkontrollbereich einfahrender Reisebus aus Schweden, wurde vom Kontrollpersonal auf die gegenüberliegende Seite gewunken, abgefertigt und deren Weiterfahrt nach Polen freigegeben. Die Uniformierten zogen sich danach zur Mittagspause zurück.
Stromaufwärts sahen wir die Autobahn-Brücke über die Oder. Wir warteten, durften den Bus verlassen, jedoch nicht den Kontrollbereich. Eine Stunde verging... aus den nahegelegenen Wohnblocks kamen Kinder, die unseren Bus bestaunten und uns nach Cola fragten... noch eine Stunde; dann wurden wir abgefertigt und überquerten die Oder. Auf der Ostseite stieg unser polnischer Reisebegleiter auf den Beifahrersitz – er hatte im Gras liegend, ca. drei Stunden auf uns gewartet. Freimütig erzählte er uns, dass er Sprachlehrer sei, in den Ferien regelmäßig Westtouristen begleite, um damit seine Einkünfte deutlich zu verbessern.
Die E 30 führte uns nach Poznan, früher Posen. Nachdem wir unsere Zimmer im Hotel Orbis bezogen hatten, ging ich mit unserem Reisebegleiter in die schöne Altstadt. Überall vor den Gasthöfen standen Tische und Bänke, die gut besetzt waren – mit den vielen jungen Leuten tranken auch wir unser Bier – es herrschte eine fröhliche, ausgelassene Stimmung. Auf dem Rückweg wurde ich von einem Polizisten angehalten, er wollte meinen Pass sehen, mein Reisebegleiter übersetzte und wir gingen gemeinsam zum Hotel – dort hatte ich bei der Ankunft, meinen Reisepass abgeben müssen – der Polizist kontrollierte diesen und war danach zufrieden.
Am 17. Mai fuhren wir weiter nach Osten – gegen Mittag erreichten wir die polnische Hauptstadt Warszawa / Warschau, im Orbis-Vera-Hotel bezogen wir unsere Zimmer. Nachmittags fuhren wir zunächst in die Altstadt / Stara-Miasto – ich bewunderte den naturgemäßen Wiederaufbau, der im zweiten Weltkrieg zerstörten, alten Stadthäuser.
Anschließend besuchten wir das Ghetto-Ehrenmal. Im Juli 1944 hatten deutsche Soldaten tausende Polen erschossen. Am 7.12.1970 war Willi Brandt, vor dem Denkmal auf die Knie gesunken. Am Tag danach wurde der Warschauer-Vertrag unterschrieben. Seitens etlicher CDU / CSU- Politiker und Bürger, wurde Willi Brandt als Vaterlandsverräter verunglimpft.
Ich habe vor allem diese Geste als einen wertvollen Moment - in unserer jüngeren Geschichte - empfunden: ein persönlich Schuldloser bittet um Entschuldigung für sein Volk. Das Ausland sah das ähnlich, ein Jahr später wurde Herr Willi Brandt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Am 18. Mai fuhren wir über die Weichsel / Wisla und hatten gegen 11:30 Uhr die Grenze zur UdSSR, heute Weißrußland, bei Brest, erreicht. Die Kontrolle, an dieser Grenze, wurde sehr genau ausgeführt. Zunächst mussten wir alle aussteigen, jeder erhielt sein Gepäck - der Bus wurde auf eine Hebebühne gefahren, angehoben und von unten genauestens abgesucht. Wir wurden in eine Halle gebracht, sodann wurde jeder inspiziert, danach sein Gepäck – z.B. hatte ich ein Skatspiel in einer Schachtel dabei – meine Kontrolleurin schaute sich jede Karte, von vorne und hinten, genau an.
Nach über zwei Stunden fuhren wir zum Essen, in einen Gasthof - der Gastraum war riesig groß, ungefähr 30 x 50 m – an einer Längsseite wurde uns ein bestimmter Sitzbereich zugewiesen. Als wir später unseren Nachtisch aßen, kam eine weitere Gruppe ins Lokal, eine Hochzeitsgesellschaft, es wurde lauter – sie saßen nahe dem Ausgang. Auf dem Weg dorthin, machte ich einen Bogen auf das Brautpaar zu und gratulierte zur Hochzeit. Im nu war ich umzingelt – das Paar hatte sich erhoben und mir wurde ein gefülltes Glas gereicht – wir tranken auf gute Gesundheit, dann auf viele gesunde Kinder und danach....ich habe es vergessen.....mit letzter Kraft verabschiedete ich mich ….einige Hochzeitsgäste kamen mit mir zum Bus – unsere Reisegruppe war schon komplett und einige davon machten böse Gesichter – meine neuen Freunde standen winkend vor dem Lokal.
Weiter ging es auf der E 30 – Richtung Nordost. Stundenlang fuhren wir, nahezu einsam, auf dieser unmarkierten, breiten, Straße dahin, selten Gegenverkehr, nie wurden wir überholt, ab und zu sahen wir ein Häuschen, mit einer angepflockten Kuh daneben.
Ich fragte mich, was hatten die deutschen Soldaten hier eigentlich gesucht?
Dreizehn Herren, unserer Gruppe, waren Teilnehmer am Rußland-Feldzug gewesen – ich fragte sie nach dem Sinn dieses Überfalls...einmütige Reaktion...Achselzucken.
Gegen 19:00 Uhr erreichten wir Minsk.
Hier im Intourist-Hotel „Yubileinaya“, bekamen wir ein Zimmer, in der achten Etage.
Am Sonntagmorgen hatte sich Olga, als neue Reisebegleiterin, uns angeschlossen. Zusammen besichtigten wir die Innenstadt, mit Leninplatz, Regierungsgebäude, Universität, Kulturpalast und das Opernhaus. Während des Krieges wurde alles von den Deutschen zerstört, später von den Russen wieder aufgebaut.
Nach dem Mittagessen fuhren wir über Orsa weiter, am Dnjepr entlang, nach Smolensk.
Wir übernachteten im Hotel „Zentralnaja“, am Leninplatz.
Morgens, am 20. Mai - Besuch der um 860 gegründeten Altstadt - diese wurde 1943, während des Rückzuges der Nazis, total zerstört. 1985, eine Stadt mit Hochschulen, Universität, Himmelfahrt-Kathedrale und Bahnknotenpunkt, in der rund 300.000 Menschen wohnen.
Die Hauptstraße nach Süden: „Gagarin-Prospekt“ - Jurij Aleksejewitsch Gagarin, geb. am 9.3.1934, flog am 12.4.1961, in einer WOSTOK Raumkapsel, als erster Mensch um unsere Erde.
Nachmittags fuhren wir auf der einsamen E 30, weiter nach Moskau, der Hauptstadt der UdSSR.
Hier bezogen wir ein Doppelzimmer im 15. Stockwerk des modernen, 1980 für die Olympiade von schwedischen Architekten entworfenen, Hotels „Cosmos“. Es hat die Form eines stehenden, halb aufgeschnittenen, Rohres. Am Abend gestatteten wir uns einen Wodka in der Sputnik-Bar.
Am Dienstag, den 21. Mai, fuhren wir südwärts, die „Prospekt Mira“ entlang, ins Stadtzentrum.
Vom Busparkplatz gingen wir an der DUMA, dem Gebäude der sowjetischen Volksvertretung, vorbei zum Roten-Platz. Zentral an der Mauer des KREML, liegt das Lenin-Mausoleum, dass von Uniformierten bewacht wird; gegenüber liegt das Kaufhaus GUM, mit seinen vielen Einzelgeschäften im Erdgeschoß.
Die südliche Begrenzung des Platzes, ist die Basilius-Kathedrale, mit den neun Kuppeln.
Innerhalb der Kreml-Mauern erstrahlen mehrere Kirchen. Uns wurde berichtet, dass der Zar, seine Frau und deren Kinder, jeweils eine dieser Kirchen, zum Gottesdienst nutzten.
Nach dem Kreml gingen wir zum Swerdlew-Platz mit dem Karl-Marx-Denkmal, dem Puschkin-Museum und dem Gorki-Denkmal.
Wir fuhren auf eine westliche Anhöhe der Moskva – ein wunderschöner Ausblick über das Zentrum der 8 Millionen Stadt. An diesem Ort sollen russische Skispringer im Winter trainieren.
Am späten Nachmittag sahen wir eine Ballettvorstellung, in der Nachbarschaft, des Bolschoi-Theaters.
Mittwoch, den 22. Mai, besuchten wir den Park gegenüber unserem Hotels mit den Ausstellungshallen aller Soviet-Republiken.
Auf dem Weg zur Raumfahrthalle, sprach mich eine ältere Frau an, ob ich Deutscher sei – ich bejate ihre Frage und fragte sie, wie sie darauf komme, die Antwort: „Ihr Äußeres.“
In der Halle waren sämtliche russische Raumfahrt-Fahrzeuge, in Originalgröße, zu sehen. VENUS 4 und 10., MARS 3, LUNA 2, SPUTNIK....., die Rakete SOJUS 38 hing an der Decke.....ich konnte mich gar nicht sattsehen.
Am letzten Tag in Moskau hatte ich mir einen selbstständigen Stadtausflug vorgenommen. Vor der Abfahrt mit der Metro, von unserer Hotelstation, schrieb ich mir wegen der kyrillischen Schrift, deren Bezeichnung, auf meinen linken Unterarm. Alle Stationen waren mit herrlichen Kronleuchtern und Wandreliefs, individuell ausgestattet – so etwas hatte ich in den U-Bahnhöfen, der großen westeuropäischen Städte, nirgends gesehen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Weiter war mir aufgefallen, dass der Takt für eine Strecke sehr hoch war, d.h. alle paar Minuten fuhr die nächste Bahn in gleicher Richtung – diese Bahnen waren sehr gut gefüllt – die Leute saßen still nebeneinander, die meisten lasen ein Buch.
Während meines Spazierganges am Ufer der Moskva, bemerkte ich den geringen Straßenverkehr, nur ab und zu mal eine schwarze Limousine mit abgedunkelten Scheiben – noch weniger als damals in Westberlin.
Im März 1985, vor zwei Monaten, hatte Herr Michail S. Gorbatschow, das Generalsekretariat des ZK der KPdSU übernommen – für seine Unterstützung, bezüglich der anstehenden, friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands, werde ich ihm dankbar bleiben.
Abends feierten wir im Restaurant „Planet Cosmos“, im 25. Stockwerk, mit herrlichem Ausblick auf die Stadt, Abschied von Moskau.
Am 24. Mai, fuhren wir Richtung Nord-Nord-West nach Kalinin, dort überquerten wir die Wolga, umfuhren die Waldaihöhen, dem Quellgebiet von Wolga, Dnepr und Düna - Die Wolga fließt über Gorki und Wolgograd, nach 3690 km, in das Kaspische Meer - der Dnepr über Smolensk und Kiew, nach 2290 km, in das Schwarze Meer - die Düna, über Witebsk und Dangavpils, nach 930 km bei Riga, in die Ostsee.
Vor unserem Tagesziel, Novgorod, fuhren wir am Gestade des Immensees entlang, und querten den Volchov mit herrlichem Blick auf den Kreml.
In Novgorod erlebten wir eine Überraschung – das geplante Hotel war besetzt. Uns wurde das Hotel VOLHOV, ein älteres Haus, für eine Nacht angeboten. Hier hatten sich viele, alte Frontkämpfer aus der Umgebung, mit allen Ehren- und Ordenzeichen auf der Brustfläche, zu Feierlichkeiten anlässlich des Sieges über Nazi-Deutschland vor 40 Jahren, versammelt.
Wir bezogen unsere Zimmer, ca, 30 qm groß, dazu ein Bad mit ca. 20 qm, der Nachteil war, die Dusche tropfte nur. Abends, nach dem Essen, versuchte ich im Haus etwas Trinkbares zu erstehen. Der Tresen war geschlossen – in einem Aufenthaltsraum hörte ich menschliche Geräusche, klopfte und stieß auf eine fröhliche, uniformierte Gruppe. Auf meine Frage nach Getränken im Hause, wurde mir ein Glas Wodka gereicht – alle tranken mit – danach wurde mir ein Stuhl an der Tafel angeboten. Zwei jüngere Zivilisten, Bibliothekare aus Leningrad, die in Novgorod beruflich tätig waren und gut deutsch sprachen, berichteten mir, dass dieses Siegesjubiläum, nach Dekaden, immer lange und intensiv gefeiert würde. Nach meinem zweiten Wodka erzählte ich der Runde – von den Bücherwürmern, simultan übersetzt – dass in der Bundesrepublik, monatelang, gegen die Nachrüstung demonstriert wurde. Daraufhin kam der Höchstdekorierte auf mich zu, fiel vor mir auf die Knie und küsste mir den linken Handrücken – die russische Seele – nie werde ich diese Situation vergessen. An den Weg ins Bett, kann ich mich nicht mehr erinnern.
Dennoch war ich am Samstag gegen 8:00 Uhr auf den Beinen – Vater führte in seinen Federn, ein rührendes Schnarchkonzert auf. Im Hause war niemand zu sehen - so ging ich hinaus, um eine nahe Apotheke zu erfragen. Nach einigen Minuten, kam ein jeepähnliches Fahrzeug näher – der Wagen hielt und ein Polizist kam auf mich zu. Ich sagte nur: Apotheke – er lud mich wortlos ein, hinter ihm einzusteigen. Nachdem ich die Autotür zugezogen hatte, brausten die Schupos mit mir los. Ich dachte noch, na, was wird nun wohl passieren... merke dir die Abbiegungen... denke positiv... wird schon gut gehen – dann hielt der Wagen wieder – der Beifahrer stieg aus, winkte mir zu und zeigte auf das Haus neben uns – eine APTEKA. Vor mir wurden einige Kunden bedient… nach zehn Minuten stand ich wieder mit meiner Salbe „ Karin's Tigerbalsam“ auf dem Bürgersteig. Gerade wollte ich loslaufen, da wurde ich von der anderen Straßenseite angerufen – dort stand „mein“ Polizeiwagen, beide Beamten winkten mir zu. Also, Straße queren, einsteigen und schon ging's im flotten Tempo los. Ich konnte mich nicht einmal ordentlich bedanken, da stand ich wieder allein, vor unserem Gasthaus, auf der Straße... Die Polizei, dein Freund und Helfer! - hier in Novgorod hatte ich es tatsächlich erfahren.
Vater hatte für meinen Ausflug kein Verständnis. Nach unserem gemeinsamen Frühstück war seine Laune jedoch beruhigt.
Nach Besichtigung der Altstadt und einiger Kirchen, fuhren wir nachmittags weiter nach Leningrad.
Im Hotel PRIBALTIYSKAYA bezogen wir unsere Zimmer. Dieses Haus wurde auch von schwedischen Architekten entworfen und für die Sommerolympiade 1980 erbaut...es liegt direkt am Finnischen Meerbusen.
Leningrad wurde im Mündungsbereich der Neva, im Jahre 1703, von Zar Peter dem Großen, gegründet und 9 Jahre später von ihm mit dem Namen, Sankt Petersburg, zur Hauptstadt Rußlands erklärt...diesen Status behielt die Stadt bis 1917. Im 2. Weltkrieg war Leningrad, von Mitte 1942 bis Ende 1943, von deutschen Truppen eingeschlossen – ungefähr 1 Million Menschen sollen hier verhungert sein.
Am Pfingstsonntag, den 26. Mai, führte uns der Newski Prospekt in das Stadtzentrum. Hinter dem Pionier-Palast liegt das Puschkin-Schauspielhaus. Rechts sahen wir das Russische Museum, gegenüber das Museum für Geschichte und Religionen.
Auf dem Dekabristenplatz gingen wir weiter zur Admiralität und zur St.Isaac-Kathedrale. Am Ufer der Neva steht das Bronze-Reiter-Denkmal, des Stadtgründers. Gegenüber liegen der Panzerkreuzer AURORA, die Peter und Paul-Festung mit den Zaren-Gräbern, das Museum für Anthropologie und Ethnographie „Peter der Große“, die Akademie der Wissenschaften der UdSSR, die Leningrader Universität, sowie die Akademie der Schönen Künste.
Nach Rückkehr zum Hotel, ging Vater auf sein Zimmer, mit seinen 76 Jahren suchte er Ruhe. Ich ging noch eine Stunde am Wasser spazieren.
Am Pfingstmontag fuhren wir zum Peterhof, ca. 30 km westlich von Leningrad, am Finnischen Meerbusen, gelegen. Diese wunderschöne Schloss– und Parkanlage ist auch in Verantwortung von Zar Peter dem Großen ab 1710 entstanden. Er verbrachte hier mit seiner Familie viele Sommermonate.
Nach meiner persönlichen Beurteilung ist der Peterhof, die prächtigste und interessanteste Parkanlage in Europa. Ich möchte hier keine Einzelheiten beschreiben, sondern auf den Bildband „PETERHOF“ verweisen, den ich später käuflich erworben hatte.
Vater blieb auf der Höhe zur Seeseite des Palastes. Ich stieg eine Seitentreppe, neben der großen Kaskade hinab und ging durch den Park zum Bootsanleger. Dort wurde eine Bootsverbindung nach Leningrad angezeigt. Kurz entschlossen kaufte ich mir für 2 Rubel eine Karte und ging an Bord. Da ich freie Sicht und Fahrtwind erleben wollte, blieb ich im offenen Heckteil stehen. Leinen los – das Boot entfernte sich vom Steg. Nach einer knappen Minute heulte der Motor auf, das Fahrttempo nahm zu, das Boot hob sich – ein tolles Gefühl, wir flogen sozusagen an einem schönen Küstenstreifen vorbei. Nachdem wir in die Neva eingefahren waren, wurde das Tempo gedrosselt – nach ca. 30 Minuten war das Ziel erreicht. Das war meine erste Fahrt auf einem Luftkissenboot – ein tolles Erlebnis. Beim Smolny-Institut, Lenins Hauptquartier während der Oktober-Revolution, stiegen wir aus. Von Leningrad aus pendeln zwei Boote dieser Art, über Peterhof zur Insel Kronstadt – hier hatte Zar Peter der Große einen Marinehafen einrichten lassen – damit wurde Leningrad für Rußland zum Tor in die westliche Welt.
Mit meiner Hotelkarte und der Hilfe einiger Einheimischer, kam ich zum Hotel zurück – auch Vater hatte sich an meine Ausflüge gewöhnt.
Am 28. Mai verließen wir Leningrad. Zunächst am Finnischen Meerbusen entlang – unberührte Natur, ab und zu eine alte Hütte, einsame Seen.- und Waldlandschaft, wunderschön.
Wir erreichten Viborg; kurzer Stop und unsere Begleiterin Olga stieg, zu meinem Erstaunen, grußlos aus. Nach 45 Minuten hatten wir die finnische Grenze, bei Nuijamaa, erreicht. Hier zählte ein Beamter im Bus unsere Köpfe, und wir konnten über Porvoo nach Helsinki weiterfahren. Gegen 18:00 Uhr ging es an Bord der Finnjet; Deck 4, Kabine 452, sie sollte für die nächsten 40 Stunden unser Zuhause sein. Am Mittwochmorgen, den 29. Mai, Leinen los, wir stachen in See. Helsinki war bald von unserer Rauchfahne, über dem Heck, abgedeckt. Mittags und abends verbrachten wir ausgiebig am skandinavischen Büfett, im Helsinki-Restaurant, auf unserem Deck 4 – Vater kam zusehens wieder zu Kräften - alle anderen Stunden, am Tag, verbrachten wir im Liegestuhl, auf dem Sonnendeck.
Am 30. Mai, wurde schon früh der Morgenkaffee getrunken; um 9:00 machte die Finnjet in Travemünde fest. Mit Gepäck wieder in den Bus und zur letzten Etappe dieser interessanten und wunderschönen Reise, rollten wir über die Bäderstraße nach Neustadt. Dort wurden wir vor unserer Haustür abgesetzt. Herrn Möller sei Dank!
Am 31. Mai, fuhr ich über ERNO-Bremen, mit der DB zurück nach Hennef.
Auch für diese Reise werde ich meinem Vater immer dankbar sein.
Statistik:
Reisedauer …...17 Tage
Busstrecke …... 3900 km
Schifffahrt …... 660 sm
Bahnstrecke …. 1100 km
Bildquellen: Von der Reise in 1985 gesammelte Unterlagen