Mein Weg durch Kirche und Glauben.
Anno 1938, in Kiel geboren, wurde ich nach dem 2. Weltkrieg 1946, der evangelischen Kirche, in Neustadt/Holstein, zugeführt.
Ich war ein eifriger Kirchgänger.
Das Leben Jesu inspirierte mich, im Alter von 12 Jahren Jesu Nachfolge anzutreten zu wollen.
Nach Jahren hatte ich diese Vorstellung vergessen.
Während meines Konfirmandenunterrichtes hatte ich einen Bibeltext nicht nachsprechen können.
Unser Probst kam mir strahlend entgegen und drehte mein linkes Ohr, bis es höllisch schmerzte... er grinste... und drehte.
Das war der Anfang vom Ende.
In den 60’er Jahren wohnten wir in Munster, einer Militärkirchengemeinde.
Mehrfach hatte ich gegenüber den Pfarrern Fragen zum Widerspruch von Glauben und Militär gestellt, keine Antworten.
Anfang der 70’er Jahren lebten wir bei Wasserburg/Inn – einer ev. Diaspora.
Ich schrieb Kommentare zu Gemeindebriefen mit vielen Fragen. Auch hier, keine Antworten.
Meine Enttäuschung wuchs.
Nach der Olympiade 1972 zogen wir nach Hennef, NRW.
Im Sommer 1974 ließen wir unsere Töchter, 10 und 11 Jahre alt, mit dem Diakonischen Werk, Siegburg, zur Erholung in ein Kinderheim / Schwäbische Alb, fahren.
Beunruhigende Briefe unserer Töchter veranlassten uns, sie dort abzuholen.
Eine Mitarbeiterin des Heimes bestätigte uns die beklagenswerten Behandlungen der Kinder.
Leider versäumte ich, mir ihre Aussagen schriftlich bestätigen zu lassen.
Da Kindermund auch vor Gericht keine Rolle spielt, wurde meine Beschwerde, wegen unwürdiger Behandlung
von Kindern, vom Amtsgericht als Verleumdung ausgelegt.
Ich wurde zu einer sehr schmerzhaften Geldstrafe verurteilt. Tröstend wirkte das Angebot des Richters, den
Geldbetrag an eine soziale Einrichtung meiner Wahl zu überweisen.
Das S.O.S.-Kinderdorf freute sich sehr darüber.
Während des 2-jährigen Verfahrens hielt das Diakonische Werk / Ev. Kirche nicht für angebracht, ein Gespräch mit uns zu suchen. Ich fühlte mich hintergangen, gedemütigt, aber auch zornig und so verließ ich diese Einrichtung.
Nach historischer Betrachtung des Verhaltens dieser und anderer Kirchen, wundere ich mich noch heute, dass meine Abwendung einen derart traurigen Anlass bedurfte.
Heute sehe ich die Großkirchen als etablierte Mitspieler in der kapitalistischen Welt.
- Sie sind größte Investmenteigner in unserem Land.
- Sind Großverdiener auf dem Feld sozialer Einrichtungen, wie Kindergärten, Seniorenheime, Krankenhäuser...
- Sie lassen sich von der Allgemeinheit Steuern eintreiben,
- erhalten aufgrund historischer Privilegien ( Napoleon ) jährlich weitere Millionenbeträge vom Staat.
- Sie lassen keine gewerkschaftliche Mitbestimmung zu...
- sind auch im Verteidigungsministerium hierarchisch vertreten – die Hardthöhe, Bonn ist deren Eigentum.
- Sie sind Staat im Staate... das belegen auch die jüngsten Missbrauchsfälle.
Es ist bedauerlich, dass immer wieder positive Theorien über das Zusammenleben von Gruppen, bis hin zu Völkern,
von Nachfolgern aus egoistischen Gründen zerstört werden.
Und der Glaube?- Er ist mir über die Jahre entglitten.
Welch ein gerechter, allmächtiger Gott, der jährlich Millionen Kinder verhungern lässt?
Der seinen Sohn am Kreuz hinrichten ließ?
Für meine Verfehlungen trage ich persönlich Verantwortung.
Dafür möchte ich niemanden hingerichtet wissen.
Was bleibt da noch? Das Märchen vom ewigen Leben im Paradies?
Na, dann gute Nacht.
D. Johst